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ABSOLUT
WARHOLA
ein Film von Stanislaw
Mucha
Ein Text zum Film Um
also ein gutes Bier zu organisieren, ging man ins nahegelegene
Ruthenland, die Ostslowakei. Allerdings war die Wanderung über die
’grüne Grenze’ mit einem kleinen Risiko verbunden - die
polnisch-slowakische Grenze war damals noch streng bewacht. Deshalb
fanden die Expeditionen nur in der Dämmerung statt: morgens hin, abends
zurück. Damit
die 'Bierholer' von den Grenzpatrouille, genauer, von deren Hunden nicht
erwischt wurden, packten sie zwei Katzen in den Rücksack. Waren die
Grenzer in der Nähe, ließ man die erste Katze los. Sie beschäftigte
die aufgeregten Hunde, und jene wiederum die Polizisten. Die
zweite Katze blieb für den Rückweg. In
gleicher Mission begab auch ich mich eines Morgens außer Landes. In
einer ostslowakischen Bergwirtschft belud ich meinen großen Rucksack
mit Bierflaschen. Aber
wo war meine Katze für den Rückweg? Sollte sie mir wirklich entwischt
sein? Sie hatte ein weißes Fell, graugrüne Augen, war schön und
stolz. Vielleicht hatte sie deshalb kein Interesse am profanen Job einer
Schmugglerkomplizin und ist ins unendliche Weiß der Schneeberge
entschwunden. Leider
konnte ich ohne sie nicht zurück. Der Wirt riet mir in die nächste
Ortschaft zu gehen und dort nach Ersatz zu fragen. So kam ich zum ersten
Mal nach Miková. Aber
in Miková interessierte sich niemand für Katzen. Hier
drehte sich alles um einen gewissen Andrijku, den 'größten Sohn' des
Dorfes, nein, der Region, des Landes, der gesamten östlichen Hemisphäre
... Ich
hatte einiges über diesen Warhola gehört, wusste, dass er ein
amerikanischer Popart-Künstler war und eigentlich Andy Warhol hieß.
Ehrlich gesagt dachte ich immer, dass er polnischer Herkunft sei. Leider
habe ich diese irrige Auffassung wohl auch geäußert. Deshalb war
niemand bereit, mir einen vierbeinigen Begleiter zu überlassen. Weil
nicht jeder Mensch als Held geboren wird und mir die Vorstellung, den
Grenzern schutzlos ausgeliefert zu sein höchst mulmig war, beschloss
ich, meine zahlreichen Biere gleich vor Ort zu eliminieren. So
erfuhr ich, dass Andy Warhol "durch-und-durch Slowake" war und
alles was er je gemacht hat schon allein deswegen großartig gewesen
sein musste, weil die Wurzeln seiner Familie in den Karpaten liegen. Hier
lebten seine Verwandten, die stolzesten Menschen unter Gottes Sonne;
zumindest seit sie aus dem Fernsehen erfahren hatten, dass Andy nicht
Anstreicher in New York war, wie sie immer glaubten, sondern ein Künstler
von Weltrang. Schließlich
konnten wir nach zahlreichen Bieren sogar in der Nationalitätenfrage
einen Kompromiss erzielen: Andy Warhol war ein Ruthene, was in der
Praxis halb Slowake und halb Pole bedeutet. Zehn
Jahre später war ich wieder in der Gegend und recherchierte für einen
Film. Gewiss, ich dachte an die weiße Katze mit den graugrünen Augen
... Stanislaw
Mucha
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